The ShieldWall Network

Teaching National Socialism to Germans

In many respects, the NSDAP, or National Socialist German Worker’s Party, began in Munich, Germany. A century later, an American National Socialist is given an opportunity in Germany’s largest circulation daily newspaper, based in Munich, to explain his brand of American National Socialism, and his views on the future of democracy and the United States. As a nine page, nearly 3,000 word piece, it is quite large by modern newspaper standards.

Link to original article newspaper website here.

An English translation follows.

8. Februar 2021, 17:42 Uhr

Neonazis in den USA:“Leute wie ich sollen Terroristen sein?”

Rechtsradikale gab es in den USA lange vor Donald Trump, aber in den vier Jahren seiner Amtszeit blühte bei Neonazis wie Billy Roper der Traum vom Land der Weißen wieder auf. Eine Geschichte über Hass und Propaganda.

Von Andrian Kreye

Wären da nicht die Naziflagge, der Waffenständer und der Patronengurt neben seinem Schreibtisch, könnte man Billy Roper für einen freundlichen Herrn halten. Freundlich ist er ja. Aber er ist eben auch einamerikanischer Neonazi. “Leute wie ich sollen Terroristen sein?” Er lacht, jetzt nicht mehr ganz so freundlich. “Inlandsterrorismus soll die größte Bedrohung sein? Nicht der IS? Nicht China? Nicht Russland?”

Er sitzt beim Skype-Gespräch in Mountain View, Arkansas, Billy Roper, 48 Jahre alt, Bart, Brille, einer, der auf den ersten Blick eher harmlos aussieht. Wenn man sich mit Neonazis in den USA beschäftigt, kommt man an ihm nicht vorbei.

Er kann es immer noch nicht fassen, dass das Department of Homeland Security die Gewaltbereitschaft von rechts am 27. Januar dieses Jahres als akute Gefahr für die Nation definiert hat. Nicht zuletzt, weil viele Rechtsradikale dabei waren, als am 6. Januar das Kapitol gestürmt wurde. Doch da hatten die Sicherheitsbehörden Ropers Kameraden vom rechtsradikalen Shield Wall Network längst Besuche abgestattet. Obwohl Donald Trump noch im Amt war, der die Rechten ja eigentlich immer in Schutz nahm. Auch die Radikalen.

Ropers Trupp ist nur eine der 838 Hassgruppen, die die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center in den USA derzeit zählt. Aber in der Szene gehört er zu den Legenden. Fast wäre er der Führer der National Allicance geworden, jener Neonazigruppe, die in den Neunzigerjahren das Erbe des Ku Klux Klan, der Aryan Nations und der American Nazi Party angetreten hatte, um Hass und Hetze zu modernisieren. Das hat nicht geklappt, weil sich die Neonazis gegenseitig meist genauso hassen wie all die Minderheiten, gegen die sie kämpfen. Aber dann kam ja Trump. Und der hat den Hass ins Weiße Haus getragen.

Für ihn war der Sturm auf das Kapitol ein Triumph. Ihm hat es jedenfalls gefallen

Roper ist kein Fan. Er hielt Trump immer für einen faulen Kompromiss. Aber: “Seine Rhetorik, was Einwanderung betrifft, sein Nationalismus haben der gemeinsamen Sache sicher geholfen”, sagt er. Die gemeinsame Sache, das ist der Rechtsradikalismus. “Auf der anderen Seite nahm das der Bewegung den Schwung. Die Leute wurden nachlässig, weil sie glaubten, dass Trump nun wirklich für ihre Sache kämpft.” Er schüttelt den Kopf, Trump sei doch gar kein echter Rassist gewesen, es sei nur immer für alle bequem gewesen, ihn als Rassisten zu bezeichnen. “Ich bitte Sie, seine Enkel sind alles Juden.” Roper sagt solche Ungeheuerlichkeiten mit dem Tonfall eines Pädagogen. Das hat er noch aus seiner Zeit als High-School-Lehrer. Bei den Anhängern kommt das an.

Denn Juden sind für Rassisten ein noch größeres Problem als Einwanderung und Minderheiten.

Und Joe Biden verkörpert für sie die Rückkehr zu beidem. “Sein Kabinett sieht aus wie Tel Aviv.” Roper redet sich jetzt doch etwas in Rage. Nicht laut. Aber mit einem Unterton der Verachtung. Washington sei schwach. Und der Sturm auf das Kapitol? Ein Triumph. Ihm hat das gefallen, die verängstigten Abgeordneten. “Da krochen diese Machtmarionetten bäuchlings mit Säcken auf dem Kopf auf dem Teppich herum und hatten nur noch Angst.” Und wie instabil das System sei, habe man bei der Amtseinführung von Biden und Harris gesehen: “27 000 Soldaten der Nationalgarde mussten sie aufmarschieren lassen, um eine Stadt gegen die eigene Bevölkerung zu schützen.”

Billy Roper befindet sich seit Jahren in seinem ganz eigenen Kriegszustand. Eigentlich seit seiner Kindheit. Der Vater war Mitglied des Ku Klux Klans. Genauso wie seine beiden Großväter. Er war der erste in seiner Familie, der studierte. Er war Geschichtslehrer an einer High School, was ihn nicht vom Hass abbrachte. Im Gegenteil. Er schloss sich der Neonazi-Organisation National Alliance an, stieg zum Stellvertreter von William Pierce auf, der “The Turner Diaries” geschrieben hatte, laut FBI die “Bibel der rassistischen Rechten”. Das Buch war der erste Vorstoß der amerikanischen Nazis in die Popkultur und zu einem breiteren Publikum. Roper mit seiner akademischen Bildung und seinem pädagogischen Geschick war der ideale Mann.

Nach einem Bericht des International Centre for Counter-Terrorism in Den Haag soll das Buch seit seinem Erscheinen 1978 Inspiration für weltweit mehr als 200 Morde und unzählige Gewalttaten gewesen sein. In Amerika zum Beispiel für den Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh. Oder die Boogaloo und die Proud Boys, die QAnon-Gläubigen und Bürgermilizen, die beim Sturm auf das Kapitol Symbole aus dem Roman um das Parlament drapierten.

Der Galgen, den die Menge vor dem Kapitol aufgestellt hatte, sollte den “Day of the Rope” markieren, jenen “Tag der Schlinge”, an dem im 23. Kapitel des Romans alle “Verräter der weißen Rasse” gelyncht werden. Das war ein Signal an Vizepräsident Michael Pence und an die Abgeordneten da drinnen im Parlament, an alle, die nicht bereit waren, den vermeintlichen Wahlbetrug zu stoppen, den Trump seinen Anhängern so lange eingeredet hatte.

Roper hat die Zeichen seines Krieges um seinen Schreibtisch herum arrangiert, er ist lang genug dabei, um zu wissen, dass man auch in der Webcam alles erkennen kann. Hier sitzt er, wenn ihn rechtsradikale Podcasts interviewen. Siebzehn Bücher hat er geschrieben, auch drei Romane. In seiner “Hasten the Day”-Trilogie erzählt Roper von der Apokalypse, von Seuchen, Bürgerkrieg. Die wenigen Überlebenden gründen Nationen, jede Rasse für sich.

Hinter ihm hängt die Fahne seines Shield Wall Networks: ein schwarzer Schild auf rotem Grund, darauf das Lambda-Symbol, das die Spartaner in der Schlacht bei den Thermopylen gegen die Perser trugen. Für viele Neonazis war das 480 vor Christus der Beginn des Krieges der weißen Rasse gegen die Dunkelhäutigen, was sie meist nicht aus den “Historien” von Herodot wissen, sondern aus dem Actionfilm “300”. Eigentlich sieht die Fahne aber so aus wie das Banner der NSDAP.

“Ich bin Nationalsozialist”, sagt Roper. Hinter ihm hängt Elvis. Auch er ein Symbol für den Sieg der weißen über die schwarze Kultur, weil er aus dem Blues der Afroamerikaner den Rock ‘n’ Roll der Weißen gemacht hat. Gut sichtbar stehen da auch zwei Sturmgewehre und eine Pump Gun. Weiter oben baumelt ein Patronengürtel. Billy Roper trainiert seine Anhänger auch bei paramilitärischen Übungen.

Waffen waren auch der Grund für die Besuche der Behörden. Anfang Januar kamen FBI-Agenten bei einem seiner Jungs in Missouri vorbei. Sie hatten keinen Haft- und keinen Durchsuchungsbefehl, aber sie wussten genau, worüber bei einem der letzten Shield-Wall-Treffen geredet wurde. Sie sagten dem Jungen, er solle Abstand von Roper nehmen. Dann schauten Beamte bei einem Anhänger in Mississippi vorbei. Gleiche Prozedur. “Das sind Strategien des Bolschewismus”, sagt Roper in seinem Lehrertonfall. “Sie haben nichts in der Hand. Sie wollen nur drohen und andere Meinungen unterdrücken.”

Bei dem Treffen, von dem die Beamten so viel wussten, hatte ein Waffenexperte die Shield-Wall-Mitglieder im Umgang mit Mündungsfeuerdämpfern geschult. “In den USA sind die total legal, wenn man die richtigen Anträge ausfüllt”, sagt Roper. Auch wenn sie ähnlich wie Schalldämpfer funktionieren, die als Kriegswaffen verboten sind. Sie kennen die Feinheiten der amerikanischen Waffengesetze.

Es hat lange gedauert, bis die US-Sicherheitsbehörden die Rechtsradikalen offiziell als Gefahr anerkannten. Vor allem Republikaner wollten nicht die eigenen Bürger zu Terroristen erklären und damit Wählergruppen verschrecken. Und Trump hat sie dann mobilisiert. Für Rick Eaton, einen der bekanntesten Nazijäger des amerikanischen Simon Wiesenthal Centers, war die Terrorwarnung des Department of Homeland Security im Januar eine fast historische Wende. “Wir haben seit Jahrzehnten davor gewarnt”, sagt er beim Zoom-Gespräch aus seinem sonnendurchfluteten Wohnzimmer irgendwo bei Los Angeles. Aber auf nationaler Ebene fehlte es an Bewusstsein für die Gefahr.

Dann kam Trump. “Das Problem war, dass Trump und seine Leute versuchten, die Rechte herunterzuspielen und die Antifa zur größeren Gefahr aufzubauschen.” Natürlich gebe es Probleme mit der Linken, das weiß auch Rick Eaton, aber die seien doch mit der Rechten nicht zu vergleichen. “Das Problem war, Trump hatte einen ziemlich festen Griff auf den Heimatschutz.” Das zeigte zum Beispiel, wie rücksichtslos die Behörden unter Trump gegen Einwanderer vorgingen.

In den Wäldern West Virginias sollte die arische Jugend mobilisiert werden. In Massen

Vor etwa zwanzig Jahren war Eaton schon einer der besten verdeckten Fahnder gegen rechts. Und er war sicher der einzige jüdische Amerikaner mit einem gültigen Mitgliedsausweis der Aryan Nations, einer Neonazitruppe, die sich in den Wäldern von Idaho auf den Rassenkrieg vorbereitete. Bei den Treffen der Milizen kannte man ihn als Mitstreiter. Niemand hat ihn je enttarnt. Auch nicht, als er im argentinischen Bariloche den flüchtigen SS-Hauptsturmführer Erich Priebke aufgespürt hatte, einen der Kommandanten beim Massaker 1944 in den Ardeatinischen Höhlen, bei dem 335 Zivilisten erschossen wurden. Auch nicht, als er nach der Wende die neue Rechte in Deutschland infiltrierte und sich als nazibegeisterter Millionär ausgab. Um die Jahrtausendwende herum hatten sich dann zwar viele Milizen aufgelöst. Der Ku Klux Klan, die White Aryan Resistance, die Aryan Nations und die American Nazi Party waren in die Enge getrieben, zersplittert, pleite. Nur die National Alliance war damals noch übrig, die Hassprediger des Physikers William Pierce. Eaton warnte damals schon davor, dass die National Alliance so gefährlich sei, weil sie sich eben nicht auf paramilitärische Spielchen einließ, keine Kutten, keine Uniformen, keine verbrannten Kreuze, keine Gewalttaten.

Das Hauptquartier der National Alliance war damals auf einer Farm in den Wäldern bei Mill Point, wo das dichte Grün West Virginias so manches verbirgt. Armut vor allem. Es war eine lange Fahrt damals zu einem Treffen mit Pierce. “Kommen Sie alleine”, war die Anweisung. Eine schmale Landstraße, ein Eisengatter, zwei Männer in Kampfmontur und mit Sturmgewehren öffneten das Tor und führten zu einer Art Hauptplatz. Drumherum Wohnhäuser und Wellblechbaracken.

Pierce führte durchs Haus, zeigte seine Bibliothek, den Versammlungsraum, seine Kanzel. Er gab sich als Vordenker einer reinrassigen Welt, auf die sie sich hier vorbereiteten. Einen Revolutionskrieg sah er voraus, wie 1776, nur dass sich diesmal die Weißen ihren Lebensraum suchten. Die multikulturelle Gesellschaft war für ihn nichts anderes als Völkermord an Weißen.

Das Echo seines Geschichtsklitterungswahns konnte man am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols sehen. Irre, die sich als Revolutionäre aus dem 18. Jahrhundert verkleideten, die historische Flaggen trugen und Dreispitzhüte.

Die Strategie stellte damals Billy Roper vor, der als Stellvertreter für die Propaganda zuständig war. Eine ganze Popkulturwelt hatte die National Alliance unter seiner Führung kreiert. Arische Jugend sollte mobilisiert werden. In Massen. Er führte in eine der Baracken, auf endlosen Regalen lagen da Bücher, CDs, T-Shirts. Skinhead-Bands aus aller Welt, pseudowissenschaftliche Werke des Revisionismus und der Holocaustleugnung, Hass und Hetze. Ein Videospiel mit dem Titel “Ethnic Cleansing” war in Vorbereitung, bei dem man Schwarze, Latinos und Juden abschießen konnte.

Sie hatten sich sogar Hendrik Möbus aus Thüringen geholt, Neonazi und Leader der Black-Metal-Band Absurd. Er sollte Pierces Plattenfirma Resistance Records ausbauen, Rechtsrockgruppen produzieren. Aber er war vor den deutschen Behörden auf der Flucht und wurde von US Marshals geschnappt, als er mit ein paar Kameraden im Nachbarort etwas essen wollte.

Die National Alliance machte einen Märtyrer aus Möbus. Pierce engagierte den Anwalt, der schon versucht hatte, die Auslieferung des KZ-Schergen John Demjanjuk zu verhindern. Und Roper sammelte Truppen zur Demonstration vor der deutschen Botschaft in Washington. Möbus sei ein politischer Gefangener, riefen sie. Ein paar von ihnen trugen Sakkos und Krawatten, um bürgerlich zu erscheinen. Ein Gegendemonstrant ging auf Roper los, der die Prügel mit Fassung trug. Das war die Strategie: keine Gewalt, nur Propaganda.

Bürgerkrieg sei nur ein letztes Mittel, sagt Roper jetzt, Elvis im Rücken. “Ethnische Säuberung muss nicht gleich Massengrab bedeuten. Das kann auch eine demografische Umschichtung sein.” Die Eltern lebten das vor, sie hatten sich in South Mississippi kennengelernt, wo es viele Afroamerikaner gab. Sie hätten lang gesucht, bis sie eine Gegend fanden, in der vor allem Weiße wohnten. “Sie waren nun mal Rassisten”, sagt er, Stolz in der Stimme.

Mountain View, wo Roper heute lebt, hat knapp dreitausend Einwohner, 94 Prozent davon sind Weiße. Es ist ein kleiner Ort mit Holzhäusern und Bluegrass-Festival. Die Trailer und Mobile Homes, in denen viele von Ropers Anhängern wohnen, stehen eher am Ortsrand.

Balkanisierung nennt Billy Roper seinen Traum von einem Amerika mit lauter nach Rassen getrennten Gebieten. Ozarkia würde er das Land der Weißen nennen, das sich über die Ozarks erstrecken würde, jenes Hochland, das Teile von Arkansas, Kansas, Missouri und Oklahoma umfasst. Es gibt einen NBC-Fernsehbericht, in dem junge Männer vom Shield Wall Network auf einer Wiese strammstehen und in Formation marschieren. Ein Veteran der US Army bringt ihnen Grundlagen bei. In einer anderen Szene feiern sie, rufen “Sieg Heil” und recken die Arme zum Hitlergruß.

Das Shield Wall Network war auch eine der Gruppen, die sich 2017 bei einem Unite-the-Right-Aufmarsch in Charlottesville zu einer rechten Front vereinigen wollten. Am Ende war eine linke Gegendemonstrantin tot. Ein Shield-Wall-Anhänger wurde verhaftet, weil er auf einen schwarzen Gegendemonstranten losging. Es gibt Videoaufnahmen von dem Vorfall, wie Neonazis Gegendemonstranten in die Einfahrt eines Parkhauses jagen und auf sie eindreschen. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk vorbei. 20 Jahre bekam Ropers Mann dafür. Billy Roper findet, dass das ein politisches Urteil ist: “Der hatte keine Vorstrafe. Nichts. Nicht mal einen Strafzettel. Und dem geben sie 20 Jahre? Für zwei Fußtritte? ” Waffen hätten sie auch keine dabeigehabt. Genau das versuche er diesen jungen Leuten beizubringen: nichts Illegales zu tun. “Denn hey, wenn in diesem Land ein Bürgerkrieg ausbricht, dann wollt ihr nicht im Gefängnis enden, bevor das passiert.”

Es war der Ku-Klux-Klan-Führer David Duke, der in den Achtzigerjahren gegen das Image der amerikanischen Rechtsradikalen als tumbe Bauerntölpel mit Fackel und Schrotflinte antrat. Er war blond, gut aussehend, eloquent, und der Erste, der die Argumente der Bürgerrechtsbewegung usurpierte und behauptete, er kämpfe für die weiße Rasse. Der Traum ist, aus den Rändern der Gesellschaft zu einer Bewegung aufzusteigen. Weltweit: Iran lud Neonazis zur Holocaustleugner-Konferenz nach Teheran ein, NPD-Mitglieder kamen zu Solidaritätsbesuchen in die USA. Zur erträumten rassistisch-antisemitischen Internationale reichte es aber nie.

Während er vom weißen Heimatland träumt, wurden auf Amazon seine Bücher gesperrt

In den Wäldern von Arkansas träumt Billy Roper jedenfalls weiter vom weißen Heimatland Ozarkia. Er hat das mal durchgerechnet. “Wenn 75 Millionen Trump-Wähler jetzt gerade sehr zornig sind und die Republikaner es schaffen, 90 Prozent wieder in die bürgerliche Mitte zu holen, bleiben immer noch siebeneinhalb Millionen Rechte, die sich radikalisieren könnten.” Er sei schon mit einigen in Kontakt, sagt er.

Einen Rückschlag gab es allerdings nach dem Sturm auf das Kapitol. Amazon hat alle seine Schriften von der Plattform genommen: nicht verfügbar. Bei Twitter und Facebook ist er schon lange rausgeflogen. “Deplatforming” nennt man diese Strategie der digitalen Konzerne, radikale Stimmen aus dem Netz zu verbannen.

Rick Eaton, der Nazis und Islamisten seit einigen Jahren vor allem im Netz jagt, sagt, auch wenn Plattformen die Rechten sperren, gebe es immer wieder neue Foren. Telegram ist bei Rechten in den USA gerade sehr beliebt, Mewe, Cloudhub, Bitchute. “Es werden immer mehr. Und es wird immer irrer”, sagt Eaton. “Trump hat diese Situation verschärft, und zwar nicht nur in den paar Monaten vor der Wahl. Er war seit Jahren bereit, mit seinen Beleidigungen weiter zu gehen, als irgendjemand das jemals getan hat, und alles Liberale zu verteufeln, zu lügen. Deshalb gibt es jetzt diese Gruppenmentalität, die einige schon mit Jim Jones und Jonestown vergleichen.” Mit dem irren Sektenführer, der seinen Anhängern im Dschungel von Guyana vergiftete Limonade gab und so mehr als 900 Menschen in den Suizid trieb.

Das Problem ist, dass Trump den Staatsapparat und die Budgets so kaputt gemacht habe, dass nur wenig Geld für ein Problem wie den Kampf gegen die Rechten da sein. Und Biden habe einige Probleme, die dringender seien. Eaton arbeitet jetzt erst einmal an seinem Jahresbericht, der einen Überblick über den Hass im Netz geben wird. Denn der ist gewaltig gewachsen. Nicht unbedingt in Zahlen. Eatons Kollegen vom Southern Poverty Law Center veröffentlichten gerade Statistiken. Demnach hat die Zahl der Gruppen um elf Prozent abgenommen. Aber das sei eher beunruhigend, weil es zeige, dass sich die Szene in die Masse verflüchtige. Ein Schritt, von dem viele Rechtsradikale eigentlich träumen. In den “Turner Diaries” steht auch das. Eine Volksbewegung mit einzelnen, führerlosen Kampfzellen.

Ein einziges Mal machte Billy Roper weltweit Schlagzeilen. Das war kurz nach den Anschlägen des 11. September. Da schrieb er im Internet auf dem Message Board der National Alliance: “Ich finde jeden in Ordnung, der dazu bereit ist, einen Jet in ein Haus zu setzen, um Juden umzubringen. Ich wünschte, unsere Mitglieder hätten nur halb so viel Mumm.” Noch so eine Anspielung auf die “Turner Diaries”, die damit enden, dass die Hauptfigur Earl Turner ein Flugzeug mit Atombomben belädt, um sich damit ins Pentagon zu stürzen.

Ein paar Wochen danach marschierte Billy Roper mit der National Alliance wieder in Washington. Dieses Mal vor der Vertretung Israels. Im Schulterschluss mit den Islamisten riefen sie: “Wir wollen nicht mehr die Hure Israels sein.” Der Marsch endete damals in einem Thailokal, einem sandfarbenen Betoncontainer zwischen Tankstellen und Möbelmärkten. Niemand sonst wollte die Nazis bewirten.

February 8, 2021, 5:42 p.m.

Neo-Nazis in the USA : “People like me are supposed to be terrorists?”

Right-wing extremists existed in the US long before Donald Trump, but in the four years he was in office, neo-Nazis like Billy Roper had a dream of the land of the whites again. A story about hatred and propaganda.

By Andrian Kreye 

If it weren’t for the Nazi flag, the gun rack and the ammunition belt next to his desk, Billy Roper could be mistaken for a friendly gentleman. Yes, he is friendly. But he’s also an American neo-Nazi. “People like me are supposed to be terrorists?” He laughs, not quite so friendly now. “Domestic terrorism is said to be the greatest threat? Not IS? Not China? Not Russia?” 

He’s sitting on a Skype call in Mountain View, Arkansas, Billy Roper, 48 years old, beard, glasses, someone who looks rather harmless at first glance. If you deal with neo-Nazis in the USA, you can’t get past him. 

He still cannot believe that the Department of Homeland Security defined right-wing violence on January 27 this year as an acute danger to the nation. Not least because many right-wing extremists were there when the Capitol was stormed on January 6th. But by then the security authorities had paid visits to Roper’s comrades from the far-right Shield Wall Network. Although Donald Trump was still in office, who actually always defended the right. The radicals too . 

Roper’s squad is just one of the 838 hate groups currently counted by the civil rights organization Southern Poverty Law Center in the United States. But in the scene he is one of the legends. He almost became the leader of the National Alliance, the neo-Nazi group that in the 1990s inherited the Ku Klux Klan, the Aryan Nations, and the American Nazi Party in order to modernize hatred and agitation. That didn’t work out because the neo-Nazis mostly hate each other as much as all the minorities they fight against. But then Trump came along. And that brought the hatred into the White House . 

For him, the storming of the Capitol was a triumph. Anyway, he liked it

Roper is not a fan. He always thought Trump was a lazy compromise. But: “His rhetoric about immigration, his nationalism certainly helped the common cause,” he says. The common cause is right-wing radicalism. “On the other hand, it took the momentum out of the movement. People became negligent because they believed that Trump was really fighting for their cause.” He shakes his head that Trump wasn’t really a racist, it was just always easy for everyone to call him a racist. “Please, his grandchildren are all Jews.” Roper says such monstrosity with the tone of an educator. He still has that from his time as a high school teacher. This is popular with the followers . 

Because Jews are an even bigger problem for racists than immigration and minorities. 

And for him Joe Biden embodies the return to both. “His cabinet looks like Tel Aviv.” Roper is talking himself a little furious now. Not loud. But with an undertone of contempt. Washington is weak. And the storm on the Capitol? A triumph. He liked that, the scared MPs. “These power puppets crawled around on their stomach with sacks on their heads on the carpet and were just afraid.” And how unstable the system is was seen when Biden and Harris were inaugurated: ” They had to deploy 27,000 National Guard soldiers to protect a city against its own population .”  

Billy Roper has been in his very own state of war for years. Actually since childhood. The father was a member of the Ku Klux Klan. Just like his two grandfathers. He was the first in his family to study. He was a history teacher in a high school, which didn’t stop him from hating . On the contrary. He joined the neo-Nazi organization National Alliance, rose to deputy to William Pierce, who wrote “The Turner Diaries”, according to the FBI the “Bible of the Racist Right”. The book marked the American Nazis’ first foray into pop culture and to a wider audience. Roper, with his academic education and pedagogical skills, was the ideal man. 

According to a report by the International Center for Counter-Terrorism in The Hague, the book is said to have inspired more than 200 murders and countless acts of violence worldwide since its publication in 1978. In America, for example, for the Oklahoma City bomber Timothy McVeigh. Or the Boogaloo and the Proud Boys, the QAnon believers and citizen militias, who draped symbols from the novel around Parliament when the Capitol was attacked . 

The gallows that the crowd had set up in front of the Capitol was supposed to mark the “Day of the Rope”, that “day of the noose” on which all “traitors of the white race” are lynched in the 23rd chapter of the novel. That was a signal to Vice President Michael Pence and to the MPs in Parliament, to everyone who was unwilling to stop the supposed electoral fraud that Trump had persuaded his supporters for so long . 

Roper has arranged the signs of his war around his desk, he’s been there long enough to know that everything can be seen on the webcam too. This is where he sits when radical right-wing podcasts interview him. He has written seventeen books, including three novels. In his “Hasten the Day” trilogy, Roper tells of the apocalypse, epidemics and civil war. The few survivors found nations, each race for itself. 

Behind him hangs the flag of his Shield Wall Network: a black shield on a red background with the lambda symbol on it, which the Spartans wore in the battle of Thermopylae against the Persians. For many neo-Nazis, 480 BC was the beginning of the war of the white race against the dark-skinned, which they mostly do not know from the “Histories” of Herodotus, but from the action film “300”. But actually the flag looks like the NSDAP banner . 

“I’m a National Socialist,” says Roper. Elvis hangs behind him. He, too, is a symbol of the victory of white over black culture, because he turned the African-American blues into white rock ‘n’ roll. Two assault rifles and a pump gun are clearly visible. A cartridge belt dangles further up. Billy Roper also trains his followers on paramilitary exercises. 

Guns were also the reason for the authorities’ visits. FBI agents stopped by one of his boys in Missouri in early January. They had no warrant or a search warrant, but they knew exactly what was being talked about at one of the recent Shield-Wall meetings. They told the boy to distance himself from Roper. Then officials stopped by a trailer in Mississippi. Same procedure. “These are strategies of Bolshevism,” says Roper in his teacher tone. “You have nothing in hand. You just want to threaten and suppress other opinions .” 

At the meeting, which officials knew so much about, a weapons expert had trained the Shield Wall members in the use of flash suppressors. “In the US they are totally legal if you fill out the right applications,” says Roper. Even if they work in a similar way to silencers, which are prohibited as weapons of war. You know the intricacies of American gun laws. 

It took a long time for US security agencies to officially recognize right-wing extremists as a threat. Republicans in particular did not want to declare their own citizens terrorists and thereby scare off groups of voters. And then Trump mobilized them. For Rick Eaton, one of the most famous Nazi hunters at the American Simon Wiesenthal Center, the terror warning from the Department of Homeland Security in January was an almost historic turning point. “We have warned against it for decades,” he says during a Zoom conversation from his sun-drenched living room somewhere near Los Angeles. But at the national level there was a lack of awareness of the danger. 

Then came Trump. “The problem was that Trump and his people were trying to downplay the rights and make the Antifa more dangerous.” Of course there are problems with the left, Rick Eaton knows that too, but they cannot be compared with the right. “The problem was, Trump had a pretty tight grip on homeland security.” This showed, for example, how ruthless the authorities under Trump were against immigrants . 

Aryan youth should be mobilized in the forests of West Virginia. Moderately

About twenty years ago Eaton was one of the best undercover agents against the right. And he was certainly the only Jewish American with a valid membership card of the Aryan Nations, a neo-Nazi group preparing for race war in the Idaho forests. At the militia meetings he was known as a comrade. Nobody ever exposed him. Not even when he tracked down the fugitive SS-Hauptsturmführer Erich Priebke in Bariloche, Argentina, one of the commanders in the 1944 massacre in the Ardeatine Caves, in which 335 civilians were shot. Not even when he infiltrated the new right in Germany after the fall of the Wall and posed as a millionaire enthusiastic about the Nazis. By the turn of the millennium, many militias disbanded. The Ku Klux Klan, the White Aryan Resistance, the Aryan Nations and the American Nazi Party were cornered, splintered, bankrupt. At that time only the National Alliance was left, the hate preachers of the physicist William Pierce. Eaton warned at the time that the National Alliance was so dangerous because it did not get involved in paramilitary games, no frocks, no uniforms, no burned crosses, no acts of violence. 

The headquarters of the National Alliance was then on a farm in the woods near Mill Point, where the thick green of West Virginia hides so much. Above all poverty. It was a long drive back then to meet Pierce. “Come alone,” was the instruction. A narrow country road, an iron gate, two men in riot gear and with assault rifles opened the gate and led to a kind of main square. All around it houses and corrugated iron barracks. 

Pierce led through the house, showing his library, the meeting room, his pulpit. He presented himself as the mastermind of a thoroughbred world for which they were preparing here. He foresaw a revolutionary war, as in 1776, only this time the whites were looking for their habitat. For him, multicultural society was nothing more than genocide against whites. 

The echo of his maddening history could be seen on the steps of the Capitol on January 6th. Mad disguised as 18th century revolutionaries, wearing historical flags and tricorn hats. 

The strategy was presented at the time by Billy Roper, who was the deputy responsible for propaganda. The National Alliance had created a whole pop culture world under his leadership. Aryan youth should be mobilized. Moderately. It led into one of the barracks, where books, CDs and T-shirts lay on endless shelves. Skinhead bands from all over the world, pseudoscientific works of revisionism and Holocaust denial, hatred and agitation. A video game called “Ethnic Cleansing” was in preparation, in which one could shoot black people, Latinos and Jews . 

They even got Hendrik Möbus from Thuringia, neo-Nazi and leader of the black metal band Absurd . He should expand Pierce’s record company Resistance Records, produce right-wing rock groups. But he was on the run from the German authorities and was caught by US marshals when he wanted to eat something with a few comrades in the neighboring village .  

The National Alliance made a martyr out of Möbus. Pierce hired the lawyer who had already tried to prevent the extradition of concentration camp henchman John Demjanjuk. And Roper gathered troops for a demonstration in front of the German embassy in Washington. Möbus was a political prisoner, they shouted. A few of them wore jackets and ties to appear middle-class. A counter-demonstrator attacked Roper, who took the beating with composure. That was the strategy: no violence, just propaganda. 

Civil war is only a last resort, says Roper now, with Elvis at his back. “Ethnic cleansing does not have to mean mass graves. It can also mean a demographic shift.” The parents set an example; they had met in South Mississippi, where there were many African Americans. They searched for a long time until they found an area where mostly white people lived. “They were racists,” he says, with pride in his voice. 

Mountain View, where Roper lives today, has a population of nearly three thousand, 94 percent of whom are white. It’s a small place with wooden houses and a bluegrass festival. The trailers and mobile homes in which many of Roper’s supporters live are more on the outskirts. 

Balkanization is what Billy Roper calls his dream of an America with nothing but racial regions. Ozarkia he would call the land of the whites, which would extend over the Ozarks, the highlands that encompass parts of Arkansas, Kansas, Missouri and Oklahoma. There is an NBC television report in which young men from the Shield Wall Network stand at attention in a meadow and march in formation. A US Army veteran teaches them the basics. In another scene they celebrate, shout “Sieg Heil” and stretch their arms in the Hitler salute. 

The Shield Wall Network was also one of the groups that wanted to unite into a right-wing front in 2017 in a Unite-the-Right march in Charlottesville. In the end, a left counter-demonstrator was dead. A Shield Wall supporter was arrested for attacking a black counter-demonstrator. There are video recordings of the incident of neo-Nazis chasing counter-demonstrators into the driveway of a parking garage and hitting them. After a few seconds the fight is over. Roper’s friend got 20 years for it. Billy Roper thinks that this is a political judgment: “He had no criminal record. Nothing. Not even a ticket. And they give him 20 years? For two kicks?” They also had no weapons with them. That’s exactly what he’s trying to teach these young people: not to do anything illegal. “Because hey, if civil war breaks out in this country, you don’t want to end up in jail before that happens.” 

It was the Ku Klux Klan leader David Duke who, in the 1980s, opposed the image of the American right-wing extremists as dumb peasant boobies with torch and shotgun. He was blonde, handsome, eloquent, and the first to usurp the arguments of the civil rights movement, claiming he was fighting for the white race. The dream is to rise into a movement from the margins of society. Worldwide: Iran invited neo-Nazis to the Holocaust denier conference in Tehran, NPD members came to the USA for solidarity visits. But it was never enough for the dreamed-of racist-anti-Semitic international . 

While he dreams of the white homeland, his books have been blocked on Amazon

In any case, in the forests of Arkansas, Billy Roper continues to dream of the white homeland of Ozarkia. He did the math. “If 75 million Trump voters are very angry right now and the Republicans manage to bring 90 percent back into the middle class, there are still seven and a half million rights that could become radicalized.” He’s already in contact with a few, he says . 

However, there was a setback after the storm on the Capitol. Amazon has taken all of its fonts off the platform: not available. He’s been kicked out of Twitter and Facebook for a long time. “Deplatforming” is the name given to this strategy used by digital corporations to ban radical voices from the Internet . 

Rick Eaton, who has been hunting Nazis and Islamists online for a number of years, says that even if platforms block rights, there are always new forums. Telegram is currently very popular with rights in the USA, Mewe, Cloudhub, Bitchute. “It’s getting more and more. And it’s getting more and more insane,” says Eaton. “Trump made this situation worse, and not just in the months leading up to the election. For years he has been willing to go further with his insults than anyone has ever done, and to demonize all liberals, to lie. That’s why there is it’s now that group mentality that some have already compared to Jim Jones and Jonestown. ” With the crazy sect leader who gave his followers in the jungles of Guyana poisoned lemonade and thus drove more than 900 people to suicide . 

The problem is that Trump has so ruined the state apparatus and the budget that little money is available for a problem like the fight against the right. And Biden has some problems that are more urgent. Eaton is now working on its annual report, which will give an overview of the hatred on the net. Because it has grown tremendously. Not necessarily in numbers. Eaton’s colleagues at the Southern Poverty Law Center were releasing statistics. Accordingly, the number of groups has decreased by eleven percent. But that is rather unsettling because it shows that the scene is evaporating into the crowd. A step that many right-wing radicals actually dream of. That is also stated in the “Turner Diaries”. A popular movement with individual, leaderless combat cells. 

Only once did Billy Roper make headlines worldwide. That was shortly after the 9/11 attacks. Then he wrote on the Internet on the National Alliance’s message board: “I think anyone is fine who is willing to put a jet into a house to kill Jews. I wish our members had half the guts.” Another allusion to the “Turner Diaries”, which ends with the main character Earl Turner loading an airplane with atomic bombs in order to throw himself into the Pentagon . 

A few weeks later, Billy Roper marched back to Washington with the National Alliance. This time before the Representation of Israel. In solidarity with the Islamists, they shouted: “We no longer want to be the whore of Israel.” The march ended at a Thai restaurant, a sand-colored concrete container between gas stations and furniture stores. Nobody else wanted to entertain the Nazis . 

At least that’s different now. A commitment to Trump would be enough for the reservation . 

2 Comments

  1. South Africa whites have discovered ain international law secession a legal term can be achieved if two other nations recognize you . SA has the two but won’t tell who.
    The our back yard Alaska is seeking recognition from the nation of Texas ..
    ((( Globelist))) are shutting down critical offices the land recorders office blocking any legal escape but resourceful whites have countered with a new LRS so all of Europe can record documents to prove status and ownership of property.

  2. Glincoln

    If you want to see the future watch the movie Blood Diamond. Not a great movie, but worth watching to see how they treat their own. Imagine how they’re gonna treat us and our families. A picture is worth a thousand words.

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